Geigenbauerin Andrea Bischoff

NRZ Beitrag vom 8.5.2015

Kulturhandwerk im Schaufenster

Die Essener Geigenbauerin Andrea Bischoff hat beim Kulturwettbewerb „off-Klasse“ gewonnen und bis Ende Mai ihre Werkstatt ins Schaufenster der Essener Theaterpassagen verlegt. Die Initiatoren wollen Raum für Kultur und Synergien schaffen

Von Mareille Landau, Fotos: Stefan Arend

Sie wirkt fast wie die Figur auf einer Theaterbühne, wie sie da in dem leeren Raum an einem kleinen Tisch sitzt und konzentriert an ihrer Geige baut. Hinter der großen Glasfront eines Schaufensters in der Essener Theaterpassage inmitten von Modeboutiquen und Friseursalons. Die Essener Geigenbauerin ist eine der beiden Gewinner des Wettbewerbs „off-Klasse“ des offguide Magazins und des lokalen Berufsverbandes Kreative Klasse. Nun dürfen beide einen Monat lang in einem Ladenlokal der Essener Theaterpassagen residieren.

Zusammen mit zwei Möbeldesignern bringt Bischoff noch bis Ende Mai mittwochs und freitags zwischen 10 und 18 Uhr ihre Arbeit auf die Bühne des Schaufensters in der Innenstadt. Ihre Werkstatt hat sie eigentlich in Bergerhausen. „Ich fand es einfach spannend, meine Arbeit mal in der Öffentlichkeit zu präsentieren“, sagt Andrea Bischoff und hofft auf viele interessierte Besucher. Die können nicht nur beobachten, wie aus ein paar Holzklötzen eine Geige entsteht, sondern auch gleich noch eine Hörprobe der selbstangefertigten Instrumente erhaschen.

Hinter dem Schaufenster der Theaterpassage können Interessierte bis Ende Mai verfolgen, wie aus Holzklötzen eine Geige wird. FOTOS: STEFAN AREND

Untypisch, spannend und toll

„Eine Geigenbauerin in das Schaufenster zu setzen, fanden wir einfach untypisch, spannend und toll“, erklärt Jens Kobler, Kurator von „klasse:Raum“. Ihre Arbeit eröffne eine andere Dimension kreativen Schaffens. „Zusammen mit den beiden Möbeldesignern im Nachbarschaufenster, die auch mit Holz arbeiten, ergibt sich eine tolle Spannung.“ Die Idee hinter dem Projekt sei, dass sich kulturelle wie auch geschäftliche Synergien bilden, erklärt Kobler. „Wir wollen zeigen, dass es in Essen einen kulturellen Raum zwischen Graffiti und Hochkultur gibt“. Einen in den man beim Einkaufsbummel einfach mal kurz hineinspazieren kann. Dass diese angepeilten Synergien funktionieren, sehen Macher und Künstler schon am ersten Tag. Besucher sind zwar derzeit noch rar. Aber eine Essener Möbeldesignerin fragte Andrea Bischoff spontan, ob sie die Geigen nicht auf ihren Möbeln präsentieren wollte. Das Ergebnis überzeugt den Initiator: „Genau so habe ich mir das vorgestellt, hier finden kreative Köpfe und Kleinunternehmer zusammen“, sagt Kobler.

Das ungewohnte Leben in den Schaufenstern ermöglicht allerdings die unerfreulich wachsende Zahl an Leerständen in der Theaterpassage. „Man hat uns angeboten, dass wir die Räume nutzen können, wenn wir für Präsenz sorgen“, sagt Kobler. Und das passiert. Am 19. Mai sogar in besonderer Weise: Da lädt Andrea Bischoff zum Konzertabend im Schaufenster. Um 19.30 Uhr wird die Geigenbauerin gemeinsam mit dem „A-Roma-Streichquartett“ die selbstgebauten Instrumente zum Klingen bringen.

--> Original Beitrag herunterladen
--> Link zum Beitrag auf "derwesten.de"